Nedlin magazine

Fortschritt als Triebfeder seit drei Generationen

2017 begeht Nedlin sein 65-jähriges Jubiläum. In diesem Familienunternehmen hat bereits seit drei Generationen die Familie De Win das Sagen. Nach Großvater Jeu und Vater Erik leiten seit 2001 die Gebrüder Stef und Luuk de Win die Wäscherei. Erik ist im Hintergrund noch stets als Ansprechpartner für unterschiedliche Probleme im Unternehmen tätig. Was bedeuten 65 Jahre Nedlin für Vater und Söhne? Und liegt ihnen dieser Leistungsdrang wirklich in den Genen?

„Leidenschaft ist innerhalb unserer Familie auf männlicher Seite wirklich unheimlich stark ausgeprägt“, gibt Erik de Win sofort zu. „Das ist wirklich ein Familienmerkmal, äußert sich aber bei jedem auf andere Art.“ Vater De Win beschreibt es folgendermaßen: „Stef und ich sind zielorientiert und lieben Details. Luuk hat ein beschaulicheres Wesen, versteht aber wie niemand anderer, im richtigen Moment zuzubeißen.“

Luuk meint, dass dies in ihrer gemeinsamen Rolle als Geschäftsführung auch für das nötige Gleichgewicht sorgt. „Stef ist eher strukturiert, was der internen Organisation des Unternehmens zugutekommt. Ich konzentriere mich eher auf den externen Bereich und die kommerzielle Seite des Ganzen. In meiner Funktion muss ich richtig taktieren. Wir streben beide dasselbe Ziel an, handhaben aber unterschiedliche Ansätze.“

Luuk, Stef en Erik de Win

Anfänge

2001 haben die beiden Brüder das Zepter von ihrem Vater übernommen, was jedoch keineswegs selbstverständlich war. „Ich habe ihnen in dieser Sache viel Freiraum gelassen“, erzählt Erik. „Sie haben beide in Rotterdam studiert und jeweils eine eigene Karriere gestartet. Zu meiner Zeit war das anders. Mein Vater hat das Unternehmen 1952 unter dem Namen „Wasserij AWÉ“ in Hoensbroek gegründet. Damals, direkt nach dem Krieg, herrschten schwierige Zeiten, und das Unternehmen musste in der Anfangsphase viele Rückschläge einstecken. Aber auch mein Vater besaß eine gesunde Dosis Durchsetzungsvermögen und hat fortlaufend nach neuen Möglichkeiten gesucht.“

Automatische Systeme

Erik ist seit seinem zwölften Lebensjahr in der Wäscherei zu Hause. „An Maschinen herumzudoktern fand ich toll und Technik hat mich schon immer interessiert.“ Mit achtzehn Jahren beginnt Erik offiziell in der Wäscherei seines Vaters und fünf Jahre später (1968) übernimmt er das Unternehmen. „Auch ich habe mir selbst immer neue Ziele gesetzt. Ich habe mich verstärkt auf die größeren Unternehmen konzentriert und wollte dem Kunden jedes Jahr etwas Neues bieten können. Zu Beginn des Computerzeitalters in den 1980er-Jahren zum Beispiel haben wir das System EDI genutzt – ein Netzwerk für Bestellungen und zur Bestandsergänzung. In dieser Hinsicht waren wir sehr fortschrittlich.“

Die 1970-er und 1980-er Jahre sind von großen gesellschaftlichen Veränderungen geprägt, auf die Erik zu reagieren weiß. „Der Markt befand sich im Wachstum und Kunden wünschten sich immer mehr Dienstleistungen. Es war eine interessante Zeit, da die Automatisierung allerlei neue Möglichkeiten schuf. Gemeinsam mit Philips, die übrigens auch Kunde waren, haben wir Dotcodes für die Verwendung in Bekleidung entwickelt. Dadurch konnte die gesamte Wäsche, die wir zur Reinigung erhielten, ein- und ausgescannt werden. Das war revolutionär.“ Dieses System ist der Vorläufer des Barcodes und späteren Chips. Dieses Track & Trace-System für alle Bekleidungsstücke sichert Nedlin nach wie vor eine Vorreiterrolle, da diese Software auch 30 Jahre später noch im eigenen Betrieb weiterentwickelt wird.

Erweiterung

Unter der Leitung von Erik wächst das Unternehmen und mittlerweile arbeitet auch seine Frau Miek in der Administration. 1988 fusioniert Wasserij AWÉ unter dem Namen Rentex unter einem Franchisekonzept mit mehr als sechzehn Wäschereien, die im Bereich Wäschevermietung für das Gesundheitswesen tätig sind. Jede der Wäschereien nimmt den Namen „Rentex“ in den eigenen Firmennamen auf. Aus Wasserij AWÉ wird Rentex AWE. „Rentex genoss in den Niederlanden viel Ansehen und war Marktführer im Gesundheitswesen. Wir benötigten diese kommerzielle Schlagkraft und Rentex bot ein Fangnetz für mögliche Kalamitäten“, erklärt Erik.

Das Unternehmen ist bereits ein renommierter Name in der Industrie und im Gesundheitswesen, als Erik 1997 die Chance erhält, seine Kundenliste um Hotel- und Gaststättengewerbe zu ergänzen. Er kann die Wäscherei Nedlin in Elsloo erwerben, die ebenfalls ein großer Akteur im Hotel- und Gaststättengewerbe ist. „Dies war für mich der richtige Zeitpunkt, Stef und Luuk zu fragen, ob sie kein Interesse hatten, das Unternehmen zu übernehmen. Sonst hätte ich Nedlin nicht gekauft.“

Unternehmerdrang

Beide Brüder reizt das Unternehmertum. Stef tritt 1998 ins Unternehmen ein, Luuk etwa ein Jahr später. „In der Umgebung, in der ich damals tätig war, fehlte mir der echte Unternehmerdrang“, erzählt Luuk. „Das Wachstum des Unternehmens bot uns beiden Raum.“ Stef liebt die Herausforderungen, die ein eigener Betrieb mit sich bringt. „Man muss Spaß daran haben, selbst die Chancen zu suchen. Andere werden sich keine Chancen für einen ausdenken.“

Explosives Wachstum

2001 übernehmen Stef und Luuk das Unternehmen endgültig von ihrem Vater. Erik bleibt jedoch weiterhin im Unternehmen tätig. Unter der Leitung der Brüder wird die Professionalisierung des Unternehmens immer weiter fortgesetzt, sodass dieses mittlerweile um ein Siebenfaches gewachsen ist. Die Anzahl der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist von 70 auf fast 400 gestiegen. Stef: „Unter unserer Leitung wurden Produktion und Wirtschaft noch stärker innerhalb des Unternehmens verankert.

Durch die Erweiterung wurde ein Neubau erforderlich. 2008 wurde für das Hotel- und Gaststättengewerbe eine neue Wäscherei realisiert. 2012 erhielt der Bereich Gesundheitswesen eine gänzlich neue Halle. Das starke Wachstum des Unternehmens setzte sich fort und 2014 wurden die Wäschereien in Elsloo erweitert. Das Tempo der modernen Welt stellt laut Erik den größten Unterschied zu früher dar. „Das Fundament unserer Dienstleistungen und Produkte hat sich nicht geändert, aber alles geht jetzt viel schneller. Durch das Internet ist außerdem alles viel transparenter. Wenn man heute eine Innovation entwickelt hat, kann der Mitbewerber diese morgen schon kopieren.“

Familie ist alles

Und dennoch sieht Luuk noch Chancen im Bereich Innovation. „Als Familienunternehmen lautet unser Schwerpunkt Langfristigkeit und müssen wir keine Rücksicht auf Aktionäre nehmen. Wir können unsere Entscheidungen selbst treffen.“ Stef nickt und ergänzt: „Wir trauen uns tatsächlich, in Entwicklungen zu investieren, die noch ausreifen müssen. Bei vielen Unternehmen ist das anders.“

Die Brüder möchten in Hinblick auf die Zukunft noch stärker betonen, dass sie ein Familienunternehmen führen. „Unsere Stärke lag immer darin, dass wir zuverlässig und engagiert sind", erklärt Luuk. „Wir arbeiten zwar in drei Segmenten, aber trotzdem sind wir eine einzige Familie. Aus diesem Grund war es auch logisch, sich für einen einzigen Namen zu entscheiden. Darum tragen wir seit April 2017 den Namen Nedlin.“

Erik findet es toll, zu sehen, wie beide Söhne in ihrer Rolle zufrieden sind. „Ich weiß, dass ich beruhigten Gewissens aufhören kann, und es gefällt mir auch, Dinge loslassen zu können. Manche Dinge aber, vor allem in Sachen Innovation, interessieren mich nach wie vor. Ich habe jetzt noch einige laufende Projekte, die ich abschließen möchte.“

Die nächste Generation?

Stef und Luuk denken vorläufig noch nicht über ihren eigenen Abschied aus dem Unternehmen nach. „Ob eine vierte Generation De Win kommt, werden wir noch sehen“, lacht Luuk. „Wir haben beide Kinder, aber meine gehen noch in die Grundschule, also ist das noch kein Thema. Zu Hause wird sowieso viel weniger über die Arbeit gesprochen als bei uns früher. Da unsere Eltern beide im Unternehmen tätig waren, wurden die Geschäfte am Küchentisch oft einfach fortgesetzt. Jetzt sitzen zwei unterschiedliche Karrieren bei Tisch, wodurch wieder eine ganz andere Dynamik entsteht.“

Stef bestätigt das und meint außerdem, dass ihre Kinder vor allem ihren eigenen Weg finden müssen. „Ich möchte ihnen vollkommene Freiheit geben – genau so, wie wir die damals auch erhalten haben. Die Welt ändert sich rasant; wer weiß, was die nächste Generation bringt. Das Wichtigste ist aber, dass wir Nedlin positiv in die Zukunft führen.“